Logopädie bei Parkinson

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Geht es um Logopädie bei Parkinson, kommt man kaum am Lee Silverman Voice Treatment (LSVT- LOUD) vorbei.

Wie ist das Konzept und die zugehörige Software aufgebaut? Davon hatte ich bisher nur eine vage Vorstellung. Ich durfte bei meiner Teamkollegin über die Schulter gucken.

 

Worum geht es beim LSVT?

Parkinson-Patienten haben mit fortschreitender Krankheit zunehmend Mühe, beim Sprechen Lautstärke, Atmung, Stimme und Artikulation gezielt einzusetzen. Das LSVT-Konzept geht davon aus, dass sich alle vier Faktoren verbessern, wenn die Lautstärke verbessert wird. Vereinfacht gesagt lautet das Ziel der intensiven Einzeltherapie: „Sprich kräftig und laut!“

 

Die Software

Benötigt wird nebst der Software auf dem Computer noch ein xyMikrofon. Der Patient nimmt eine Distanz von 50 cm zum Mikrofon ein. So können Lautstärke, Tonhöhe und Phonationsdauer erfasst werden. Eine Obergrenze von 95 dB ist voreingestellt. So wird vermieden, dass zu laut und damit stimmschädigend geübt wird.

 

Der Übungsablauf

1.    Die erste Aufgabe besteht darin, ein lautes und kräftiges /a/ so lange wie möglich zu phonieren. Die Software visualisiert dabei in Echtzeit Lautstärke (y-Achse) und Dauer (x-Achse). Die grafisch klare und einfache Darstellung wirkt auch als Biofeedback, Lautstärkeschwankungen lassen sich sofort erkennen. Nach fünf Wiederholungen folgt die Aufforderung, etwas zu trinken. Dann kann der Patient auf einer Skala von 1-10 angeben, wie viel Kraft bei der Übung eingesetzt wurde.

2.    Highs: Ein Glissando in die Höhe soll eine vormarkierte Tonhöhenschwelle überschreiten, in der Höhe soll der Ton 3-5 Sekunden gehalten werden. Stimmkraft und Lautstärke sollen möglichst gleich bleibend eingesetzt werden. 15 Wiederholungen.

3.    Lows: Die Umkehrung zur Aufgabe 2: Ein Glissando in die Tiefe.

4.    Zehn Alltagssätze, also Äusserungen, die der Patient im Alltag oft verwendet, können in der Software abgespeichert werden. Diese werden dem Patienten nun in Schriftform präsentiert, er soll sie möglichst laut vorlesen. 5 Durchgänge.

5.    Hierarchisches Training: Aus vorgespeicherten Wortlisten zu verschiedenen Themen können einzelne ausgewählt werden. So lassen sich zum Beispiel gezielt Wörter zum Interessensgebiet „Fahrrad“ geübt werden. Die Listen können auch ausgedruckt und abgegeben werden.

6.    Freies Sprechen/Unterhaltung

 

Aufbau und Ablauf

Der Übungsaufbau geschieht kontinuierlich über vier Wochen, wobei in der ersten Woche nur die ersten drei Übungen bearbeitet werden. Pro Woche kommt dann eine Aufgabe mehr dazu.

Vorgesehen ist eine intensive Einzeltherapie (3-4x pro Woche), wobei an den Therapietagen noch ein zweites Mal zuhause geübt wird. Für die therapiefreien Tage sind täglich zwei Übungssequenzen zuhause vorgesehen.

Logistisch ist dieses Vorgehen nicht ganz einfach umzusetzen. Die Krankenkasse muss die nötige Kostengutsprache gewähren, für die Terminplanung ist sowohl auf Patienten- wie auch auf Therapeutenseite viel Einsatz und Flexibilität gefragt. Doch diese können sich durchaus lohnen: Mein Büro liegt gleich neben dem meiner Teamkollegin. Bei erfolgreichen Trainings dringen die kräftigen Stimmen durch die Wand bis in mein Zimmer durch.

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Priscilla Schranz

 

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